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Lernleitfaden Sportbootführerschein See 2026

Dieser Leitfaden erklärt den Sportbootführerschein in verständlicher Sprache, mit Schwerpunkt auf dem Geltungsbereich Seeschifffahrtsstraßen (SBF See) und dem gemeinsamen Basiswissen mit dem SBF Binnen. Er stützt sich auf ELWIS, das offizielle Portal der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, die SeeSchStrO, die Kollisionsverhütungsregeln (KVR) und die Sicherheitshinweise der DGzRS. Prüfen Sie vor jeder Fahrt die örtlichen Bekanntmachungen.

  • Lernhilfe
  • 6 Min. Lesezeit
  • Am 11. Oktober 2026 mit offiziellen Quellen abgeglichen.

Der Sportbootführerschein

Auf deutschen Bundeswasserstraßen brauchen Sie den amtlichen Sportbootführerschein, um ein Boot mit einem Verbrennungsmotor über 11,03 kW (15 PS) oder einem Elektromotor über 7,5 kW zu führen. Der Führerschein wird für einen oder beide Geltungsbereiche erteilt:

GeltungsbereichWoBootsgröße
BinnenBinnenschifffahrtsstraßen des Bundes: Flüsse, Kanäle, viele SeenUnter 20 m; für 20 bis 25 m ist das Sportschifferzeugnis erforderlich
SeeSeeschifffahrtsstraßen des Bundes an Nord- und OstseeküsteKeine Längenbegrenzung; nur für die private Nutzung

Auf manchen Binnengewässern brauchen auch Segelboote einen Führerschein. Für längere Küsten- und Hochseefahrten gibt es weitere Scheine (SKS, SSS, SHS).

Voraussetzungen

  • Mindestalter 16 Jahre für Motorboote und 14 Jahre für Segelboote.
  • Unter 18 Jahren: schriftliche oder elektronische Zustimmung eines Elternteils oder Erziehungsberechtigten.
  • Ein ärztliches Zeugnis über die körperliche und geistige Tauglichkeit; Seh- und Hörvermögen können geprüft werden. Eine eingeschränkte Farbtüchtigkeit kann nicht ausgeglichen werden.
  • Zuverlässigkeit: Schwere Verkehrsverstöße oder Alkohol- und Drogenkonsum auf dem Wasser können zur Versagung führen.

Der DMYV (Deutscher Motoryachtverband) und der DSV (Deutscher Segler-Verband) nehmen im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums die Prüfungen ab und erteilen die Führerscheine.

Die Theorieprüfung

Die Theorieprüfung besteht aus Multiple-Choice-Fragen mit 4 Antworten, von denen eine richtig ist. Die Fragen stammen aus einem öffentlichen amtlichen Fragenkatalog auf ELWIS (Stand August 2023). Für den SBF See umfasst er 72 Basisfragen, 213 spezifische Fragen und 15 Navigationsaufgaben in der Seekarte. Die 72 Basisfragen sind dieselben wie beim SBF Binnen.

PrüfungFragen (Bestehensgrenze)Zeit
SBF See7 Basisfragen (5) + 23 Fragen See (18) + Navigationsaufgabe mit 9 Fragen (7)60 Min.
SBF See, bei vorhandenem SBF Binnen unter Antriebsmaschine23 Fragen See (18) + Navigationsaufgabe mit 9 Fragen (7)50 Min.
SBF Binnen unter Antriebsmaschine7 Basisfragen (5) + 23 Fragen Binnen (18)45 Min.

Jeder Teil wird gesondert bewertet. Sie müssen jede Bestehensgrenze erreichen: Eine fehlerfreie Navigationsaufgabe gleicht zu viele falsche Basisfragen nicht aus. Legen Sie beide Geltungsbereiche am selben Tag ab, beantworten Sie die Basisfragen nur einmal.

Hinzu kommt eine praktische Prüfung auf dem Wasser. Nach § 8 SpFV müssen Sie alle Teile innerhalb eines Jahres nach dem ersten Prüfungsteil bestehen, und ein nicht bestandener Teil kann nicht am selben Tag wiederholt werden.

Regeln auf deutschen Seeschifffahrtsstraßen

Auf See gelten zwei Regelwerke: die internationalen Kollisionsverhütungsregeln (KVR, auch COLREGs) und die deutsche Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO). Wo sie voneinander abweichen, geht auf deutschen Seeschifffahrtsstraßen die SeeSchStrO vor.

Fahrwasser

  • Ein Fahrwasser ist der gekennzeichnete Bereich für den durchgehenden Schiffsverkehr. Halten Sie sich so weit wie möglich an dessen Steuerbordseite, soweit dies sicher ist.
  • Die Steuerbordseite des Fahrwassers ist die Seite, die rechts liegt, wenn Sie von See kommen.
  • Fahrzeuge, die dem Verlauf des Fahrwassers folgen, haben Vorfahrt vor Booten, die das Fahrwasser queren, in es einlaufen, wenden oder von einem Liegeplatz ablegen.
  • Überholt wird in der Regel an der Backbordseite. Kein Überholen an engen Stellen, in unübersichtlichen Krümmungen, in der Nähe von in Fahrt befindlichen Fähren oder an Schleusen.
  • Auf entgegengesetzten Kursen halten sich beide nach Steuerbord.
  • Kein Ankern im Fahrwasser (außer auf Reeden) und nicht im Umkreis von 300 m um Kabel, Rohrleitungen oder Wracks.

Geschwindigkeit und Alkohol

Fahren Sie stets mit sicherer Geschwindigkeit und vermindern Sie sie rechtzeitig, damit Ihr Wellenschlag und Sog andere nicht gefährden. Außerhalb des Fahrwassers gilt innerhalb von 500 m vom Ufer, wo gebadet wird, eine Höchstgeschwindigkeit von 8 km/h (etwa 4,3 kn). Der Schiffsführer darf mit 0,5 Promille oder mehr Alkohol im Blut (0,25 mg/l in der Atemluft) kein Fahrzeug führen. Grenzwerte für THC und andere Drogen gelten ebenfalls.

Der Schiffsführer ist für die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich. Weisen Sie Crew und Gäste vor dem Ablegen in Rettungswesten, Rettungs- und Feuerlöschmittel ein und erklären Sie, wie man das Überbordfallen vermeidet.

Ausweichregeln nach den KVR

SituationWer weicht aus
Zwei Maschinenfahrzeuge mit kreuzenden KursenDasjenige, das das andere an seiner Steuerbordseite hat
Zwei Maschinenfahrzeuge auf entgegengesetzten KursenBeide ändern den Kurs nach Steuerbord und passieren Backbord an Backbord
ÜberholenImmer das überholende Fahrzeug
Maschinenfahrzeug und SegelfahrzeugDas Maschinenfahrzeug (außer wenn es überholt wird)
Zwei Segelfahrzeuge, Wind von verschiedenen SeitenDasjenige, das den Wind von Backbord hat
Zwei Segelfahrzeuge, Wind von derselben SeiteDas luvwärtige Fahrzeug
Segelfahrzeug und fischendes FahrzeugDas Segelfahrzeug

Ein Fahrzeug überholt, wenn es sich einem anderen aus einer Richtung von mehr als 22,5° achterlicher als querab nähert. Ein Segelfahrzeug, das mit Motor fährt, gilt als Maschinenfahrzeug. Beobachten Sie die Kompasspeilung: Nimmt der Abstand ab und ändert sich die Peilung kaum, besteht Kollisionsgefahr.

Das ausweichpflichtige Fahrzeug muss frühzeitig und deutlich handeln. Das Kurshalter-Fahrzeug behält Kurs und Geschwindigkeit bei, muss aber im letzten Moment selbst handeln, wenn das andere einen Zusammenstoß nicht allein vermeiden kann.

Lichter und Schallsignale

Lichter werden von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang und bei verminderter Sicht geführt. Die Seitenlichter sind grün an Steuerbord und rot an Backbord (je 112,5°); das Hecklicht ist weiß (135°); das Topplicht ist weiß (225°). Segelfahrzeuge unter 20 m dürfen eine Dreifarbenlaterne im Masttopp führen.

Sie sehenBedeutung
Zwei rote Rundumlichter senkrecht übereinanderManövrierunfähiges Fahrzeug
Ein weißes Rundumlicht (kleines Fahrzeug)Ankerlieger (unter 50 m)
Nur grünes und rotes Seitenlicht und weißes HecklichtSegelfahrzeug oder geschlepptes Fahrzeug
SignalBedeutung
1 kurzer Ton (etwa 1 Sekunde)Ich ändere meinen Kurs nach Steuerbord
2 kurze TöneIch ändere meinen Kurs nach Backbord
3 kurze TöneMeine Maschine geht rückwärts
5 oder mehr kurze TöneZweifel oder Warnung: Handeln Sie zur Vermeidung eines Zusammenstoßes?
1 langer Ton (4 bis 6 Sekunden) mindestens alle 2 MinutenMaschinenfahrzeug mit Fahrt durchs Wasser bei Nebel
2 lange Töne mindestens alle 2 MinutenMaschinenfahrzeug in Fahrt, aber ohne Fahrt durchs Wasser, bei Nebel

Betonnung an deutschen Küsten

Auf deutschen Seeschifffahrtsstraßen werden die Lateral- und Kardinalzeichen nach Anlage I der SeeSchStrO verwendet. Maßgebend ist stets die Richtung von See kommend.

ZeichenFarbe und FormToppzeichenFeuer
SteuerbordseiteGrün, Spitztonne oder Spierentonne; ungerade NummernGrüner Kegel, Spitze obenGrün
BackbordseiteRot, Stumpftonne oder Spierentonne; gerade NummernRoter ZylinderRot
Nord-KardinalzeichenSchwarz über GelbZwei schwarze Kegel, Spitzen obenWeiß, ununterbrochenes schnelles Funkeln
Ost-KardinalzeichenSchwarz mit gelbem BandKegel Grundfläche an GrundflächeWeiß, 3 Blitze
Süd-KardinalzeichenGelb über SchwarzZwei Kegel, Spitzen untenWeiß, 6 Blitze + langer Blitz
West-KardinalzeichenGelb mit schwarzem BandKegel Spitze an SpitzeWeiß, 9 Blitze
EinzelgefahrenzeichenSchwarz mit rotem BandZwei schwarze BälleWeiß, Gruppen von 2 Blitzen

Passieren Sie ein Kardinalzeichen auf der Seite, die sein Name angibt: Halten Sie sich nördlich eines Nord-Zeichens. Ein Einzelgefahrenzeichen liegt auf einer kleinen Gefahrenstelle, die ringsum von befahrbarem Wasser umgeben ist.

Sicherheit und Notfälle

  • Tragen Sie eine Rettungsweste. Westen mit 150 N eignen sich für alle Gewässer und drehen eine bewusstlose Person in Rückenlage mit dem Gesicht nach oben; 275 N sind für die Hochsee und schwere Kleidung gedacht. Automatische Rettungswesten müssen mindestens alle 2 Jahre gewartet werden.
  • Lassen Sie Feuerlöscher mindestens alle 2 Jahre prüfen.
  • Stellen Sie vor dem Tanken den Motor ab, vermeiden Sie Schalter und offenes Feuer und verschütten Sie keinen Kraftstoff.
  • Flüssiggas ist schwerer als Luft und sammelt sich in der Bilge. Riechen Sie Gas, sperren Sie die Zufuhr ab, lüften Sie und betätigen Sie keine Schalter oder Telefone.
  • Achten Sie während der Fahrt auf Motortemperatur, Öldruck und Ladekontrolle.
  • Halten Sie Abstand zu Schilfgürteln; sie sind Brutgebiete geschützter Vögel und Fische.

Seenot und Mensch über Bord

Senden Sie in Gefahr MAYDAY auf UKW-Kanal 16 an Bremen Rescue oder drücken Sie die DSC-Taste (Kanal 70). Nennen Sie Ihre Position und das Problem. Sie können das MRCC Bremen auch unter +49 421 53 68 70 anrufen. Verwenden Sie tagsüber orangefarbenen Rauch und nachts rote Handfackeln, aber niemals Raketen in der Nähe eines Hubschraubers.

  1. Rufen Sie laut und zeigen Sie auf die Person; ein Crewmitglied behält sie ständig im Blick.
  2. Werfen Sie einen Rettungsring oder etwas Schwimmfähiges zu.
  3. Drücken Sie die MOB-/POB-Taste am GPS und senden Sie MAYDAY.
  4. Fahren Sie vorsichtig zurück. Kuppeln Sie den Propeller aus oder lassen Sie ihn im Leerlauf, bevor Sie die Person erreichen.

Quellen